AKTUELL

BFH: Zuwendung einer ausländischen Familienstiftung; Blog: Vermehrte Steuerabzugsfähigkeit?; Interview: Prof. Dr. Andreas Wiesehahn; Eine App und das Beraten wird ganz einfach!; Gründergeneration: "Weisheit" ab 40?; Ressortprinzip im Stiftungsvorstand; Attac und die Gemeinnützigkeit; Porsche und die Staatsanwaltschaft; Anwaltsgerede; RA Janitzki zur Stiftungsrechtsreform; Transparenz! Transparenz?; Zwei Lieblingsbücher; Who deserves a building named after them?; Interview: Holger Glaser; Smart Contracts; Tippfehler; "War for Talents" und Personalberater; Haftungsgefahren steigen!; Verwaltungskosten als Problem bei bekannter NPO?; Welche ein Freude: Beraterhonorare sind gestiegen! Ein "Schluck aus der Pulle"? - Weitere Überlegungen zum Länderindex Familienunternehmen; Immer nur Steuersenkungen? - Länderindex Familienunternehmen; Stiftungen - 2019; Weihnachtskarten; 2018 - 2019; „GzVvUbHmWiIuzÄwsV“; nachvollziehbare Argumentation; ...

Das Buch zu diesem Portal

"Die Stiftung in der Beraterpraxis" widmet sich auch in der 4. Auflage ausführlich den Praxisfragen zur Stiftung.

Handbuch des internationalen Stiftungsrechts

Das "Handbuch des inter­­­nationalen Stiftungsrechts"

mehr

Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt und berät seit 1987 vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Prof. Dr. Andreas Wiesehahn: Unternehmensnachfolge

Interview von Dr. K. Jan Schiffer (09/2019)

Prof. Dr. Andreas Wiesehahn ist Professor für Controlling und Rechnungswesen an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Vorher war er u.a. über zehn Jahre im Konzern Deutsche Post DHL national und international im Finanzbereich tätig und die letzten Jahre als CFO für die etwa 75.000 Fahrzeuge der Flotte des Konzerns kaufmännisch verantwortlich. Er hat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Dortmund, Dublin und Philadelphia studiert und unter Mitwirkung von Professor Dr. Reichmann promoviert. Professor Wiesehahn forscht, lehrt und berät Unternehmen im Bereich der Planung, Steuerung und Kontrolle allgemein und insbesondere im Zusammenhang mit der Nachfolge in Familienunternehmen. Darüber hinaus ist Professor Wiesehahn im Vorstand des BRS Instituts für internationale Studien an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und im Unternehmensbeirat des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften engagiert. Er ist 52 Jahre alt, verheiratet, hat eine Tochter und wohnt mit seiner Familie in Königswinter.

 

Lieber Herr Professor Wiesehahn, Sie sind ein ausgewiesener Fachmann im Bereich der Unternehmensnachfolge - Ihr in der ersten Auflage gemeinsam mit Jürgen Wegmann herausgegebenes Praxishandbuch für Familienunternehmen erscheint demnächst mit Ihnen als Alleinherausgeber in zweiter Auflage.

Welche Punkte stehen für Sie ganz generell bei einer möglichst erfolgreichen und nachhaltigen Unternehmensnachfolge im Vordergrund?

Ich sehe vor allem drei Punkte, die erfolgreiche Familienunternehmen von weniger erfolgreichen Unternehmen in der Nachfolge unterscheiden. Erstens überlegen sich erfolgreiche Unternehmer zunächst die Ziele, die sie mit der Nachfolge erreichen möchten. Hierbei beziehen sie gedanklich oder auch persönlich die Familie, das Unternehmen und wenn zutreffend die Gesellschafter in die Überlegungen ein. Zweitens planen erfolgreiche Unternehmer aufbauend auf ihren Zielen langfristig und konkret, kommunizieren umsichtig und setzen diese Planung dann schrittweise aber konsequent in die Praxis um. Und drittens beginnen erfolgreiche Unternehmer mit der Nachfolgeplanung frühzeitig. Bei großen Familienunternehmen habe ich es erlebt, dass sich der Unternehmer bereits ab einem Lebensalter zwischen 50 und 55 Jahren erste Gedanken über die Unternehmensübergabe machte.

Spricht man von Unternehmensnachfolge, geht es dabei zwar nicht nur, aber immer wieder auch um das Thema Stiftungen. Welche Vor- oder auch Nachteile sehen Sie nach Ihren Erfahrungen bei „Stiftungslösungen“ für die Unternehmensnachfolge?

Stiftungslösungen - und ich meine rechtfähige Stiftungen - sind in Deutschland meiner Erfahrung nach noch eher die Ausnahme als die Regel der Nachfolgelösungen aber in bestimmten Fällen sehr zweckmäßig. Zum Beispiel wenn es im Kreise des Nachwuchses kein Interesse an der Fortführung des Unternehmens gibt, bietet eine Stiftung die Möglichkeit über den Tod des Unternehmers hinaus seinen Willen umzusetzen. Oder denken Sie etwa an eine große Zahl von Erben. Hier bietet eine Stiftung Schutz vor Zersplitterung des Unternehmens und sichert so das Unternehmen als Ganzes. Dies kann mit einer geringen Flexibilität von Stiftungslösungen einhergehen, sodass im Einzelfall unter Abwägung aller Vor- und Nachteile geprüft werden sollte, ob eine Stiftung zum Familienunternehmen passt.

Kennen Sie besonders positive (oder auch negative) Praxisbeispiele zur Verdeutlichung?

Als positiven Fall darf ich die Friedhelm Loh Gruppe nennen. Professor Loh hat den elterlichen Betrieb 1974 mit etwa 200 Mitarbeitern übernommen und systematisch zu einer global agierenden Unternehmensgruppe mit einem Umsatz von über zwei Milliarden Euro entwickelt. Ich hatte das Vergnügen ihn im Rahmen meiner Recherchen für mein Nachfolgebuch zu befragen. Er sagte mir, dass er sehr frühzeitig und sehr strategisch überlegt hat, welche Nachfolgeform die geeignete für seine Unternehmensgruppe sein könne. Nachdem er sich für eine Stiftungslösung entschieden hatte, setzte er diese systematisch in die Praxis um. Sehr frühzeitig richtete er einen Beirat ein und wählte sorgsam die Persönlichkeiten aus, die Verantwortung in den Organen der Stiftung übernehmen würden. Diese Personen kennen das Unternehmen und die Wünsche von Professor Loh heute sehr genau, was den Übergang in eine Stiftung deutlich erleichtert hat. Natürlich gibt es nicht nur solche positiven Praxisfälle aber Negativbeispiele möchte ich hier, da bitte ich um Ihr Verständnis, nicht nennen.

Wo liegen für Sie im Idealfall die Kernkompetenzen der Beraterschaft? Worauf sollte ein Familienunternehmer bei der Auswahl seiner Unterstützer (Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, …) achten?

Wir haben vor einiger Zeit etwa 1.500 Fragebögen an Unternehmen in Hessen verschickt und die Unternehmer selbst gefragt, ob sie bei der Nachfolge externe Beratung nutzen möchten und welche Kompetenz denn dann besonders wichtig sei. Etwa 80% der an der Befragung beteiligten Unternehmer planen externe Beratung zu nutzen. Dies ist zunächst ein wichtiges und, wie ich finde, auch sehr beruhigendes Ergebnis, haben doch die Mehrheit der Unternehmer verstanden, welches komplexe Geschäft die Findung und Umsetzung einer passenden Nachfolgelösung ist. Besonders interessant fand ich dann die Antworten auf die Frage nach den Kompetenzen der Berater: An oberster Stelle standen dabei absolutes Vertrauen, Diskretion und Verschwiegenheit, also persönliche Kompetenzen. Erst danach wurden mit steuerlichem und rechtlichem Expertenwissen fachliche Kompetenzen genannt. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, wenn Unternehmer einen Experten in Unternehmensnachfolge engagiert hatten, dem sie vertrauten. Dieser Prozessberater begleitete dann die Findung und Umsetzung der Nachfolgelösung und den Unternehmer über die notwendige Zeit und zog wenn es erforderlich war Steuer- oder Rechtsexperten hinzu. Das ist meine favorisierte Lösung.

Welche grundlegenden Ratschläge würden Sie jedem Unternehmer für die Nachfolgeplanung ans Herz legen?

Wenn ich die Unternehmer hier direkt ansprechen darf würde ich sagen: Beginnen Sie frühzeitig sich über die Ziele Ihrer Unternehmensnachfolge klar zu werden! Planen Sie dann systematisch wie Sie die Ziele erreichen können und kommunizieren Sie ihre Überlegungen frühzeitig und verbindlich. Prüfen Sie immer wieder, ob es Änderungen in den Rahmenbedingungen gibt und die Planungen noch Ihren Zielen entsprechen. Und schließlich: Nachfolge ist ein komplexes Geschäft. Bitte lassen Sie sich von einem Experten Ihres Vertrauens in diesem Prozess beraten!

Abschließend möchte ich Ihnen gerne noch eine Frage stellen, die wir hier auf www.stiftungsrecht-plus.de fast immer an das Ende eines Interviews stellen. Begeben wir uns Gedanklich vom Abschluss des Unternehmerlebens zu den Anfängen: Auch heutzutage stehen junge Leute vor der wichtigen Frage ihrer Berufswahl. Welche Tipps können Sie diesen jungen Leuten für eine erfolgreiche Zukunft geben?

Ich kann den jungen Menschen nur empfehlen den Beruf zu wählen, der ihrer Leidenschaft entspricht. Dabei sollten sie sich nicht von Hypes, Freunden, dem Prestige oder dem möglichen Einkommen leiten lassen, sondern das verfolgen woran sie Spaß haben und was ihren Kompetenzen entspricht. Denn finden die jungen Menschen so den Beruf für den sie brennen, dann sind sie bereit auch mal langweilige und frustrierende Phasen, die es in jedem Beruf gibt, zu bewältigen. Auch die sprichwörtliche „Meile mehr zu gehen“ die erforderlich ist um nicht nur richtig gut sondern besser zu sein als die anderen, fällt dann leichter. Ganz wichtig ist dabei aus meiner Sicht auch, sich durch Rückschläge die mit Sicherheit kommen werden, nicht entmutigen zu lassen sondern den Berufswunsch mit Ausdauer und Zähigkeit zu verfolgen. Dann klappt das schon!

Lieber Herr Professor Wiesehahn, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!