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"Die Stiftung in der Beraterpraxis" widmet sich auch in der 4. Auflage ausführlich den Praxisfragen zur Stiftung.

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Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt und berät seit 1987 vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Thomas Hoyer: "Das gute Gefühl, etwas Sinn-stiftendes zu tun"

Interview von Ref. iur. Özkan K. Özdemir (28.10.2013)

 

Thomas Hoyer, Jahrgang 1964, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen arbeitete er bis 1994 zunächst im kaufmännischen Bereich der Nestlé Deutschland AG. Danach wechselte er in den Non-Profit-Sektor zum Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.. Er baute dort ein Controlling auf und leitet bis heute die Finanzabteilung des Verbandes. Daneben ist er seit 2000 Vorstandsmitglied der CaritasStiftung im Erzbistum Köln und seit 2002 deren Vorstandsvorsitzender. Seit 2012 ist er zudem Leiter des bundesweiten Arbeitskreises Caritas-Stiftungen. Thomas Hoyer ist Mitglied in verschiedenen Stiftungsräten und Kuratorien und hat seit 2000 einen Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule Köln.

thomas.hoyer(at)caritasstiftung.de

www.caritasstiftung.de

 

Sehr geehrter Herr Hoyer, Sie sind Vorstandsvorsitzender der kirchlichen CaritasStiftung im Erzbistum Köln. Womit genau beschäftigt sich die Stiftung? Wie kann man sich das Aufgabenfeld des Vorstandsvorsitzenden vorstellen?

Für immer mehr karitative Aufgaben fehlt heutzutage das Geld. Die öffentlichen Haushalte sind angespannt, immer mehr Maßnahmen für Hilfebedürftige fallen dem Rotstift zum Opfer. Zeit und Geld für Innovationen fehlen häufig. Die CaritasStiftung möchte dem entgegen wirken. Sie unterstützt Caritasverbände und andere katholische Einrichtungen finanziell, vor allem bei Projekten und Maßnahmen zugunsten von hilfebedürftigen Kindern, Jugendlichen und Familien.

Neben dieser unmittelbaren Fördertätigkeit bietet die CaritasStiftung eine Plattform für Menschen, die sich als Stifterinnen und Stifter engagieren wollen. So können beispielsweise Treuhandstiftungen oder Stiftungsfonds unter dem Dach der CaritasStiftung gegründet werden – ganz nach dem Willen des Stifters.

Das Aufgabenfeld als Vorsitzender ist spannend – und bunt! Das Stiftungsvermögen ist möglichst ertragreich und gleichzeitig sicher zu verwalten. Den Stiftern ist darüber regelmäßig Rechenschaft abzulegen. Dann geht es aber auch darum, Menschen für das Thema „Stiften“ zu begeistern und sie als Stifter zu gewinnen. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl. Und man muß vor allem Zuhören, was der Stifter oder die Stifterin will, was ihr Anliegen ist. Auch die Betreuung von Stiftern spielt eine große Rolle, um einen guten Kontakt zu halten und bei Bedarf helfen zu können. Die Stiftung ist letztlich ein eigenes, stetig wachsendes Unternehmen, mit ganz vielen Menschen, die sich dort als Stifter, Kuratoriumsmitglieder oder Mitarbeiter engagieren. Das will zusammengehalten und weiterentwickelt werden.

 

Auf Ihrer Homepage erhält man einen Einblick in verschiedene Projekte, die in der Vergangenheit von der CaritasStiftung gefördert wurden. Was motiviert Sie besonders bei der Förderung solcher Projekte?

Ich finde es motivierend, wenn Menschen durch eines unserer Projekte eine Zukunftsperspektive bekommen. Wenn beispielsweise Kinder und Jugendliche merken, welche Potentiale in ihnen stecken und diese nur geweckt werden müssen. Oder wenn Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben, in einem Caritasprojekt eine gute und sinnstiftende Beschäftigung erhalten – das ist motivierend.

Ganz bewusst haben wir uns für 2014 das Ziel gesetzt, insbesondere solche Projekte zu fördern, die jungen Menschen Chancen auf Bildung geben. Unter dem Motto „Talente entdecken, Chancen nutzen“ wollen wir gezielt Projekte fördern, die sich hier engagieren.

 

Die CaritasStiftung beherbergt unter Ihrem Dach eine Vielzahl von Treuhandstiftungen. Welche Erfahrungen in der Arbeit mit den Stiftern waren für Sie dabei besonders prägend?

Jeder Stifter ist anders, und jeder hat seine eigene Geschichte. Mittlerweile sind es 26 Treuhandstiftungen, die wir verwalten dürfen, daneben noch acht Stiftungsfonds und viele große und kleine Zustiftungen.

Nachhaltig beeindruckt hat mich die Selbstlosigkeit der Stifterinnen und Stifter. Sie geben etwas von dem, was ihnen geschenkt wurde, an die Gesellschaft zurück. Häufig geschieht dies schon zu Lebzeiten, und die Stiftung wird dann meist noch testamentarisch bedacht. Oftmals verzichten die Stifter dabei für sich selber auf ein „Mehr“ an Wohlstand und sind zufrieden mit dem, was sie haben. Wie beispielsweise ein Stifterehepaar, das in einer Mietwohnung auf 57 Quadratmetern lebt. Als sie selber unverhofft Erben wurden, gaben sie das Geld nicht für sich aus, sondern gründeten damit eine Stiftung für hilfebedürftige Kinder. Da wird man dann ganz demütig und weiß oft nicht, was man sagen soll.

 

Neben viel Engagement für die Stiftungsarbeit erfordert die Position des Vorstandsvorsitzenden auch durchaus einen gewissen Weitblick. Mit welchen Problemen sehen Sie sich bei Ihrer täglichen Arbeit konfrontiert? Vor welchen Herausforderungen stehen wir dabei Ihrer Meinung nach?

Ein Problem aller Stiftungen sind natürlich die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Deshalb versuchen wir, die Stiftungsmittel bei der Anlage zu diversifizieren, und investieren verstärkt in Substanzwerte wie Immobilien und Aktien. Auch wollen wir in unseren Stiftungen verstärkt andere Mittel generieren, um den Stiftungszweck zu verfolgen, beispielsweise Spenden und Bußgelder.

Die Frage, womit wir unser Geld verdienen, wird zukünftig ebenfalls an Bedeutung gewinnen, Stichwort „Nachhaltigkeit“. In der CaritasStiftung haben wir uns deshalb entschlossen, unsere Geldanlagen regelmäßig von der Firma oekom research analysieren und bewerten zu lassen.

Auch beim Thema „Transparenz“ gibt es im Stiftungssektor noch einiges zu tun. Die gerade aktuelle Debatte um die Transparenz bei kirchlichen Finanzen zeigt dies. Aber nicht nur in der Kirche ist Transparenz geboten, sondern im ganzen Non-Profit-Sektor. Als Stiftungen können wir da mit gutem Beispiel vorangehen.

Wir haben uns der Initiative Transparente Zivilgesellschaft von Transparency International angeschlossen und veröffentlichen auf unserer Homepage alle wesentlichen Informationen zu unserer Stiftung. Es ist wichtig, dass Stiftungen hier Farbe bekennen und ihre Zahlen und Fakten offenlegen. Nur so lässt sich dauerhaft das Vertrauen von Stiftern und Spendern gewinnen.

 

Frei nach dem Grundsatz, „ Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ erlaube ich mir zum Abschluss eine noch recht persönliche Frage. Was macht Herr Hoyer, wenn er sich nicht mit dem Thema „Stiften“ befasst?

Ich bin glücklich verheiratet und habe drei Kinder. Gemeinsame Zeit mit meiner Familie kommt hier an erster Stelle. In meiner freien Zeit laufe ich außerdem gerne, und der eine oder andere 10-Kilometer-Lauf oder Halbmarathon pro Jahr sollte drin sein. Im Sommer und im Winter geht es dann in die Berge, vorzugsweise nach Südtirol – zum Bergsteigen oder Skifahren.

 

Abschließend möchte ich Ihnen gerne noch folgende Frage stellen: Auch heutzutage stehen junge Leute vor der wichtigen Frage ihrer Berufswahl. Welche Tipps können Sie diesen jungen Leuten für eine erfolgreiche Zukunft geben?

Ich habe zwei Söhne, die derzeit studieren, und hoffe, dass sie für sich den richtigen Weg gefunden haben. Und ich kann jedem jungen Menschen nur sagen: sammelt Erfahrungen, schaut euch um; findet heraus, was ihr könnt und was euch Spaß macht – und hört auf euer Bauchgefühl. Dann wird es gut werden!

 

Sehr geehrter Herr Hoyer, herzlichen Dank für das Gespräch!