AKTUELL
DVEV Stiftungstag 2012 in WürzburgFG Baden-Württemberg zur Vorstiftung; Familienstiftung und Unternehmensnachfolge; Sponsoring und Umsatzsteuer; Grundsätze zur Stiftungsverwaltung; Nachfolge in Stiftungsorganen; CD: Drei Steuerfahnder; Web 2.0 - Wann und wie?
Prof. von Arnim und das Begründungserfordernis; OFD Frankfurt zur treuhänderischen Stiftung (Kommentar); AEAO = neu!!!; Begründungen, bitte; Erbschaftsteuer = verfassungswidrig?
ACHTUNG: Treuhänderische Stiftungen: Keine Erlaubnispflicht nach KWG - BaFin-Schreiben vom 09.06.2011; es wird (leider) weiter diskutiert! Unternehmensnachfolge mit Stiftungen; Mündelsichere Anlage?; Familienstiftung: Bemerkenswerter Aufsatz mit Kommentar von Olaf Henß; "Politik"- Forderung: Keine Diskriminierung von Stiftungen bei Haftungserleichterungen
Das Buch zu diesem Portal
Das Buch "Die Stiftung in der Beraterpraxis"
widmet sich den Praxisfragen des Stiftungsrechts. Mehr zu dem Buch finden Sie hier.
Handbuch des internationalen Stiftungsrechts
Das "Handbuch des internationalen Stiftungsrechts"
gibt einen praxisbezogenen Überblick über wesentliche Fragen des Stiftungswesens. …mehr
Dr. K. Jan Schiffer
Stiftungsrecht: Dr. K. Jan Schiffer ist Rechtsanwalt nicht nur für Stiftungsrecht, sondern Wirtschaftsanwalt und das seit 1987. Er berät vor allem Stiftungen, Familienunternehmen, Verbände, …mehr
Christel Fries zu Steuerberatung bei NPOs
Interview von Dr. K. Jan Schiffer (02/2011)
Christel Fries, geb. 1962, ist Steuerberaterin. Sie ist seit 2004 Partnerin der Kanzlei Paul und Weber in Montabaur. Ihr „Handwerk“ hat sie von der Pike auf gelernt. Nach der im Jahr 1981 abgeschlossenen Prüfung zur Steuerfachangestellten legte sie im Jahr 1989 die Bilanzbuchhalter-Prüfung ab. Seit 2003 ist sie Steuerberaterin. Um auch im betriebswirtschaftlichen Bereich topfit zu sein, absolvierte sie im Jahr 2005 die Controller-Prüfung. Sie ist u. a. Mitglied im Beirat des BVBC Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e. V. und Treuhänderin der BVBC-Stiftung. Neben der Betreuung und Beratung von Unternehmen und Privatpersonen interessiert sie sich besonders für die Belange von NPOs. Zu ihren Themen ist sie auch als Fachschriftstellerin und Referentin unterwegs.
Fries@paul-und-weber.de
www.paul-und-weber.de
Liebe Frau Fries, Sie sind Partnerin in einer mittelständischen Steuerberatungskanzlei. Sie sind Steuerberaterin von Privatpersonen und von Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Daneben haben Sie sich seit einigen Jahren persönlich auf die Fahnen geschrieben, auch gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Um was für gemeinnützige Körperschaften handelt es sich?
Es sind Stiftungen - rechtsfähige und treuhänderische - , natürlich Vereine, aber auch größere bekannte NPOs. Darunter finden sich auch gemeinnützige GmbHs. Die ganze Palette also.
Wie sind Sie zu der Steuerberatung und Begleitung von NPOs gekommen?
Wie die Mutter zum Kinde …. Ein Verein stand aufgrund einer Steuerprüfung und daraus resultierenden Nachzahlungen kurz vor dem finanziellen Aus. Der Vorstand bat mich, mir die Angelegenheit einmal anzuschauen. Der Kassierer hatte, weil er es nicht besser wusste, verschiedene Sachverhalte steuerlich nicht wirklich korrekt behandelt. In längeren Verhandlungen mit der Finanzverwaltung, die außerordentlich kooperativ war, ließ sich ein gutes Ergebnis für den Verein erreichen. Übrigens: Der Verein existiert heute noch und wird auch heute noch von mir betreut.
Gibt es Besonderheiten im Bereich der Steuerberatung von NPOs im Vergleich zu Ihren sonstigen Steuerberatungsmandaten?
Absolut. Im Bereich der Ertragssteuern ergeben sich bei den NPOs viele Besonderheiten durch die Einstufung in vier Bereiche. Es gibt steuerlich bekanntlich den ideellen Bereich, den Bereich der Vermögensverwaltung, den Zweckbetrieb sowie den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Eine solche Unterteilung gibt es bei Unternehmen in der freien Wirtschaft nicht. Es ist also Spezialwissen gefordert, wenn man NPOs betreuen möchte. Überraschenderweise wird diese besondere Besteuerungsform sowie das gesamte Thema „Gemeinnützigkeitsrecht“ im Rahmen der Steuerberaterprüfung extrem vernachlässigt.
Was liegt Ihnen bei der Begleitung von NPOs am meisten am Herzen?
Das sind die Menschen - Vorstände, Geschäftsführer, ... -, die sich vor allem bei kleineren und mittelgroßen NPOs in der Regel ehrenamtlich für eine gute Sache einsetzen und in Unkenntnis des Steuerrechts leider viele Fehler begehen. Die Steuerberatertätigkeit ist hier nicht nur fachlich besonders interessant. Es ist auch ein tolles Gefühl, wenn man hier weiterhelfen kann und gute Ergebnisse erzielt bei Verhandlungen mit der Finanzverwaltung oder der Stiftungsaufsicht. Entscheidend ist doch, dass der gute Zweck möglichst optimal erfüllt wird. Die vielen Ehrenamtlichen sind im Paragraphen- und Steuerdschungel typischerweise überfordert. Da dient dann Fachkenntnis auch der Allgemeinheit und nicht nur dem einzelnen Steuerpflichtigen.
Lassen sich aus Ihrer Erfahrung bestimmte Fehler oder besser gesagt typische Verbesserungspotentiale bei den NP0s identifizieren?
Verbesserungspotentiale sind vor allem im Bereich der Umsatzsteuer festzustellen. Man denke nur an das Thema „Sponsoring“. Es gibt überhaupt keine klaren Regelungen. Selbst uns Fachleuten fällt es oftmals schwer, einen Sachverhalt richtig einzuordnen. Wie sollen das „Nicht-Fachleute“ leisten können?
Auch das Thema „zeitnahe Mittelverwendung“ wird bei den NPOs sehr oft vernachlässigt. Im schlimmsten Fall droht der NPO der Verlust der Gemeinnützigkeit.
Ein guter Ansatz wäre aber, bitte nicht lachen, oftmals schon, die Belege ordentlich aufzubewahren und abzuheften. Der Buchhaltungsschuhkarton findet sich leider noch immer. Vieles wird leider auch einfach gar nicht dokumentiert, so dass es sich hinterher gegenüber dem Finanzamt nur schwer nachweisen lässt.
Was raten Sie den NPOs, um diese Punkte anzugehen?
Ich kann allen Personen, die für eine NPO tätig sind, nur dringend raten, sich fachliche Unterstützung zu holen. Und das am besten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Sinnvoll wäre es auch, sich selbst ein wenig in das Thema Stiftung oder Verein einzuarbeiten, so dass man jedenfalls mit dem Steuerberater oder Rechtsanwalt leichter über die ja nicht ganz einfachen Themen reden kann. Es gibt gute Angebote im Internet und auch Boschüren von den Behörden (etwa von der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium in Köln).
Noch eine Frage, die Sie hoffentlich nicht als indiskret empfinden: Wie ist es denn mit dem Honorar bei NPOs?
Die Frage steht meistens am Anfang. Wie viel wird es denn kosten? Ich rechne in der Regel auf Stundenbasis ab. Gerade bei gemeinnützigen Vereinen ist man als Berater oftmals etwas großzügiger, arbeitet als „teilgemeinnützig“. Umsonst geht es leider nicht.
Auch die Anfrage „Geht es nicht als Spende?“ ist beliebt. Sie bedeutet im Ergebnis, dass ohne Vergütung gearbeitet würde. Man nimmt das Honorar steuerpflichtig ein und beseitigt die Steuerpflicht dadurch, dass man es dann wieder spendet. Ein Null-Summenspiel, das sich ein Unternehmer nur ganz ausnahmsweise leisten kann und Steuerberater sind eben nun einmal auch Unternehmer mit Kosten für Mitarbeiter und vieles andere. Gute Leistung muss von daher ihren Preis haben.
Zum Schluss gestatten Sie mir bitte noch eine ganz andere Frage: Sie lieben Ihren Beruf. Würden Sie jungen Menschen zu diesem angeblich so „trockenen“ Beruf eines Zahlenknechts raten? Wie sollen sie das angehen? Was müsste ein junger Mensch mitbringen, um Erfolgschancen im Beruf des Steuerberaters zu haben?
Sorry, aber ich finde meinen Beruf nun überhaupt nicht trocken, höre dieses Vorurteil aber sehr oft. Ich finde es total spannend, NPOs, aber auch Unternehmen und Privatpersonen durch den Steuerdschungel zu begleiten. Mein Arbeitstag ist unglaublich abwechslungsreich und überhaupt nicht langweilig. Zum Teil hängt dies natürlich auch mit der sich ständig verändernden Steuergesetzgebung zusammen.
Ich habe aber eben auch mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun und damit auch mit den unterschiedlichsten Problemen. Die Gastwirtin der Kneipe um die Ecke erwartet von mir ganz andere Hilfeleistungen als der Vorstand eines Konzerns. Aber genau diese Bandbreite an Problemen und Menschen macht meinen Beruf so attraktiv. Spannend ist es auch immer wieder, bei größeren Projekten in einem Team etwa mit Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten zusammenzuarbeiten. Das kommt auch bei NPOs vor – z. B. bei Umgestaltungen oder Ausgliederungen.
In jedem Fall sind aber Fleiß und Ausdauer, Freude an Zahlen und an Kontakt zu Menschen sowie Spaß daran, Probleme zu lösen, nach meiner Auffassung Grundvoraussetzungen, um als Steuerberater erfolgreich zu sein. Lebenslanges Lernen ist garantiert. Mir macht es immer noch Spaß! Wer die genannten Eigenschaften mitbringt, sollte sich unbedingt für den Steuerberaterberuf interessieren.
Liebe Frau Fries, herzlichen Dank für das Gespräch.




