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"Die Stiftung in der Beraterpraxis" widmet sich auch in der 4. Auflage ausführlich den Praxisfragen zur Stiftung.

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Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt und berät seit 1987 vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Dr. Lutz Spandau zur Allianz Umweltstiftung

Interview von Dr. K. Jan Schiffer (02/2011)

Dr. Lutz Spandau, geb. 06. Mai 1957 in Singen, in Partnerschaft lebend, 2 + 2 Kinder. 

Lutz Spandau studierte von 1978 - 1983 Landschaftsarchitektur und Ökologie an der TU München-Weihenstephan. Als akademischer Rat am Lehrstuhl für Landschaftsökologie der TU München arbeitete er mit Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber in vielen nationalen und internationalen Projekten zur Ökosystemforschung.
Für seine wissenschaftliche Tätigkeit wurde er mit dem Thurn und Taxis Forschungspreis ausgezeichnet.
Seit 1991 ist Lutz Spandau Vorstand der mit 50 Mio. Euro Grundstockvermögen ausgestatteten Allianz Umweltstiftung. Er ist für die Konzeption und Struktur der Stiftung und der Förderprojekte verantwortlich. Für diese Arbeit wurde er im Jahr 2004 mit der Bayerischen Umweltmedaille ausgezeichnet. 2005 wurde Lutz Spandau von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) e.V. mit dem Kulturpreis „Goldenes Lindenblatt“ für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Gartenkunst und Landschaftskultur geehrt. Vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau wurde sein Wirken im Jahr 2006 mit der Silbernen Landschaft ausgezeichnet. 
Lutz Spandau gehört verschiedenen Gremien für Umwelt und Kultur an. Unter anderem ist er Mitglied des Naturschutzbeirats beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Er ist Mitglied im Kuratorium des Biosphärenreservats Spreewald und des Internationalen Begegnungszentrums
Ostritz/St. Marienthal. Im Bundesverband der Deutschen Stiftungen leitet er den Arbeitskreis Umwelt, Natur und Gesundheit und ist im Beirat vertreten. Als Mitglied des Trägerverbundes unterstützt er die Ziele des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern/Obb. Darüber hinaus ist Lutz Spandau Vorstandsmitglied der Don Bosco Stiftung "Der Schöpfung eine Chance", Mitglied im Hochschulrat der University of Applied Sciences Weihenstephan-Triesdorf und Kuratoriumsmitglied der Audi Stiftung für Umwelt GmbH.
Von 2000 bis 2008 war er Vorstand der "Nagelschneider Stiftung zur Förderung regenerativer Energien" und von 1989 bis 2009 Mitglied im Naturschutzbeirat des Landkreises Freising. Von 2005 - 2008 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Loremo AG (Low Resistence Mobile)

www.allianz-umweltstiftung.de

 

Lieber Herr Spandau, Sie sind Vorstand der Allianz Umweltstiftung, einer Unternehmensstiftung. Was hat es mit dieser Stiftung auf sich? Wer hat sie wie gegründet? Was macht die Stiftung im bereich Umwelt? 

Die Allianz Umweltstiftung wurde aus Anlass des 100-jährigen Geburtstages der Allianz SE 1990 gegründet. Für jedes Jahr der Firmengeschichte wurde die Stiftung mit einem Grundstockkapital von (damals) 1 Mio. DM ausgestattet, das Grundstockkapital belief sich demnach auf 100 Mio. DM (heute 56 Mio. Euro). Gemäß Satzung soll die Stiftung an einem lebenswerten Dasein in einer sicheren Zukunft mitwirken. Ziel der Stiftungsarbeit ist, Kreativität zu fördern und Freude an der Natur zu vermitteln. Im Mittelpunkt der Stiftungsaktivitäten steht deshalb der Mensch - denn seine Aktivitäten prägen unsere Umwelt und seine Träume und Visionen bestimmen unsere Zukunft.

 

Nach welchen Grundsätzen arbeitet die Stiftung? 

Die Allianz Umweltstiftung orientiert sich bei ihren Projektentscheidungen an folgenden Grundsätzen:

- gefördert werden Projekte, die nicht alleine die Natur bzw. die Umwelt im Blick haben, sondern den Menschen und seine Bedürfnisse mit einbezieht

- die auf eine nachhaltige Verbesserung der Umweltsituation abzielen

- die Umweltaspekte mit sozialen, kulturellen und bildungsbezogenen Anliegen verknüpfen

- die als Modellprojekt einen Impuls geben und damit andere Institutionen zur Nachahmung anregen.

Dabei ergreift die Allianz Umweltstiftung als operativ ausgerichtete Stiftung durch die aktive Mitgestaltung der Vorhaben auch selbst die Initiative.

 

Können Sie bitte ein oder zwei konkrete Projekte Ihrer Stiftungsarbeit als Beispiele geben?

Beispiel Klimawandel: Um in dem breiten Spektrum möglicher Förderungen in der Thematik des Klimawandels einer Beliebigkeit vorzubeugen und ein eigenes Profil zu entwickeln, hat die Allianz Umweltstiftung den Deutschen Klimapreis ins Leben gerufen. Mit diesem wird das aktive Klimaschutz-Engagement von Schülern und Schulen ausgezeichnet. Er wird jährlich verliehen und soll Schüler dazu motivieren, sich dem wichtigen Thema Klimaschutz mit Freude und positivem Engagement zu widmen. Der Deutsche Klimapreis besteht aus fünf gleichwertigen Auszeichnungen, die jeweils mit 10.000 Euro dotiert sind. Zusätzlich werden 15 Anerkennungspreise in Höhe von 1.000 Euro verliehen.

Beispiel Nationales Naturerbe: Für zehn Jahre übernimmt die Allianz Umweltstiftung eine Patenschaft für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb und stellt in diesen Zeitraum insgesamt eine Million Euro Fördermittel zweckungebunden zur Verfügung. Die Patenschaft für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist damit eines der großen Zukunftsprojekte der Allianz Umweltstiftung. Ziel der Aktivitäten ist, die nachhaltige Entwicklung einer Region modellhaft voranzubringen und den Menschen in diese Entwicklung einzubinden. Dabei soll ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz und der Nutzung von Lebensräumen entstehen. Unsere Umweltstiftung ist zuversichtlich, dass es gelingen kann, diese schwierige Balance zu finden  und damit ein nachhaltiger Beitrag geleistet wird, wie das Nationale Naturerbe bei uns geschützt, gepflegt und entwickelt werden kann.

 

Wo sehen Sie in der Zukunft den Schwerpunkt in der Tätigkeit der Stiftung? Kooperieren Sie mit anderen Stiftungen? Wenn ja, wie? 

Der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit in der Zukunft wird sich in fünf Förderbereichen widerspiegeln:

- Umwelt- und Klimaschutz

- Leben in der Stadt

- Nachhaltige Regionalentwicklung

- Biodiversität und

-Umweltkommunikation.

Wir sind fest davon überzeugt, mit der Operationalisierung dieser Förderschwerpunkte einen wesentlichen Beitrag zur Beantwortung relevanter gesellschaftlicher Fragen leisten zu können.

Die Komplexität der Fragestellungen erfordert geradezu die Kooperationen mit anderen Stiftungen und weiteren in diesen Themen engagierten Gruppen. Nur gemeinsam werden wir Antworten auf die Zukunftsfragen geben können. Daher wird auch weiterhin ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit sein, Netzwerke zu begründen, in welchen Partner zusammenwirken, um Antworten auf drängende Fragen im Umweltbereich zu finden.

 

Sehen Sie in der Praxis rechtliche Probleme bei der Kopperation mit anderen gemeinnützigen Körperschaften? Ich denke da z. B. an das leidige Hilfspersonenproblem, wonach denn die betreffende Körperschaft nur die gemeinnützigen Zwecke der anderen fördert, aber nicht die eigenen und insoweit einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhält, der sie aus Sicht der Finanzverwaltung sogar steuerlich negativ prägen kann

Das ist in der Tat eine schwierige Problematik, die uns als Stiftungsmanager aufgrund der speziellen Fragestellung oftmals überfordert. Zur Abklärung dieses Sachverhaltes holen wir grundsätzlich den Rat von Juristen mit Schwerpunkt im Stiftungsrecht und von unserem Wirtschaftsprüfer ein. Hier fühlen wir uns von der "Legislative" ziemlich alleine gelassen und oftmals überfordert, so dass wir diese komplexen Fragen grundsätzlich im Team mit ausgewiesenen Experten entscheiden. 

 

Wenn Sie es ändern könnten, was würden Sie gerne ändern, um die Tätigkeit der Stiftung noch zu verbessern? 

Wir möchten gerne noch mehr Partner finden, um uns den Zukunftsaufgaben stellen zu können. Noch mehr Interdisziplinarität statt sektoraler Aktivitäten. Das Netzwerk der Umweltstiftungen im Arbeitskreis Umwelt, Natur, Gesundheit des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, dessen Leiter ich bin, zeigt, welche Erfolge erwirkt werden können, wenn Stiftungen zusammen wirken. Dann stellen diese eine gesellschaftliche Kraft dar und werden gehört. Die Notwendigkeit, in diesem Bereich noch aktiver zu wirken, ist eine Erfahrung aus meiner langjährigen Arbeit. Alle Aktivitäten einzelner Stiftungen erfahren im Rahmen inhaltlicher Interdisziplinarität und Mitwirkung in fachlichen Netzwerken eine deutliche größere Wirkung. Daran sollte daher aktiv gearbeitet werden . 

Der Stifter ist ein Unternehmen und dazu noch ein bekanntes Unternehmen. Hat das Einfluss auf Ihre Arbeit bei der Stiftung? 

Seit Gründung der Allianz Umweltstiftung bin ich in dieser Stiftung aktiv. Zu keinem Zeitpunkt hat das Unternehmen Einfluss auf die Stiftungsarbeit ausgeübt. Ganz im Gegenteil, die Souveränität der Stiftung wurde immer geschützt, gepflegt und entwickelt, wie der Naturwissenschaftler sagen würde. So wurde auch darauf geachtet, dass z.B. CSR-Aktivitäten der Stifterin und das Wirken der Stiftung streng getrennt bleiben.  Die Stifterin ist u.a. durch den Vorstandsvorsitzenden der Allianz SE in unserem Kuratorium vertreten. Seit Gründung der Stiftung hat jedoch ein externes Mitglied den Vorsitz im Kuratorium  und die Zahl der externen Mitglieder ist immer höher als die der Mitglieder aus der Allianz. Auch dies belegt, welch hohen Wert die vom Kerngeschäft der Stifterin unabhängige Arbeit der Umweltstiftung hat.

 

Wie sind Sie zum Stiftungswesen und zu Ihrer jetzigen Aufgabe gekommen. 

In meinem "früheren Leben" war ich Akademischer Rat am Lehrstuhl für Landschaftsökologie der TU München. Als die Allianz Umweltstiftung gegründet wurde, wurde mein damaliger Chef, Professor Haber, der zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung war, gefragt, ob er den Vorsitz im Kuratorium der Allianz Umweltstiftung übernehmen könnte. Er sagte zu und schlug u.a. mich als Leiter der operativen Arbeit vor. In mehreren Bewerbungsrunden habe ich mich durchgesetzt und wurde so der erste Projektmanager der Allianz Umweltstiftung. Eigentlich hatte ich eine ganz andere berufliche Lebensplanung, es war purer Zufall, dass ich zum Stiftungswesen und damit zu meinem Traumjob fand.

 

Was ist aufgrund Ihrer Erfahrung jeweils der wichtigste Punkt, den Sie der Stiftungswelt und den Sie einem jungen Menschen vor seiner Berufswahl ans Herz legen würden?  

Aus meiner Sicht gibt es drei Punkte, die wichtig sein könnten: Interdisziplinarität, Interdisziplinarität und Interdisziplinarität.

Das Management von Systemen, dass Zusammenfügen einzelner Puzzleteile zu einem Gesamtbild, ist aus meiner Sicht die große Herausforderung, wenn wir eine nachhaltige Entwicklung unserer Zukunft realisieren wollen.

Plakativ gesagt wünsche ich mir mehr Universaldilettanten denn Fachexperten. Universaldilettanten sind Netzwerker, arbeiten systemisch, haben den Überblick über das Ganze. Und hier haben wir großen Nachholbedarf. 

 

Das finde ich ganz prima. Es deckt sich mit meiner Erfahrung, wonach wir entgegen der wohl herrschenden Meinung nicht noch mehr Spezialisten und Superfachleute, sondern in vielen Bereichen zunehmend „spezialisierte Generalisten“ brauchen. Deshalb ganz zum Schluss bitte ein Tipp für den Nachwuchs: Wie wird man „interdisziplinär“? 

Die Frage "Wie wird man Spezialist" ist sicherlich wesentlich einfacher zu beantworten. Ich halte es für unerlässlich, dass man für sich eine klare Zielprojektion vornimmt, wie man sich in die Beantwortung von Zukunftsfragen einbringen möchte. Will man als Generalist wirken, ist es bei unseren Ausbildungskonzepten notwendig, sich weit über das Angebot der zu absolvieren Pflichten hinaus auch für weitere Themen zu interessieren, die einen inhaltlich bereichern. Eine der Hauptanforderungen an Generalsiten scheint zu sein, sehr früh als sein eigener "Lebensmanager" zu wirken, Verantwortung für sich und sein Tun zu übernehmen und nicht nur zu konsumieren, was einem auf dem Silbertablett präsentiert wird.  Generalist sein und interdisziplinär zu wirken ist für mich kein "Ausbildungsziel", sondern eine Lebenseinstellung. Und diese Lebenseinstellung muss man wollen - als sein eigener Lebensmanager.

 

Lieber Herr Spandau, herzlichen Dank für das Gespräch.


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Hinweis: Auf der Homepage der Stiftung finden sich verschiedene interessante Unterlagen zu den Themen der Stiftung - z. B. in der Rubbrik "Einblick".