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"Die Stiftung in der Berater- praxis" widmet sich in der bereits 3. Auflage (Hardcover!) den Praxisfragen zur Stiftung.

Handbuch des internationalen Stiftungsrechts

Das "Handbuch des inter­­­nationalen Stiftungsrechts"

gibt einen praxisbezogenen Überblick über wesentliche Fragen des Stiftungs­­­­­wesens. …mehr

Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt. Er berät vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Henrike Rick und Norbert Dreßen zu Erbschaftsmarketing

Interview von Dr. K. Jan Schiffer (02/2011)

Henrike Rick, geboren am 28.2.1954 in Coburg/Bayern, ist verheiratet. Nach dem Studium für das Lehramt an Grundschulen und dem Referendariat in Mönchengladbach arbeitete sie u.a. freiberuflich, vor allem als Übersetzerin. Von 1982 bis 1986 und wieder seit 1991 ist sie beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor beschäftigt. Dort ist sie vor allem für das Erbschaftsmarketing und die Betreuung der Helder Camara-Stiftung von Misereor verantwortlich.

Norbert Dreßen wurde am 14.4.1953 in Köln geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Referendariat in Köln arbeitete er zunächst im Kfz-Haftpflichtbereich eines Versicherers. Er ist seit 1983 als Rechtsanwalt zugelassen und arbeitet seit 1986 als Justiziar des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in Aachen. Von 2001 bis 2007 war er Vorstandsvorsitzender der FairTrade Siegelorganisation TransFair in Köln. Schwerpunkte der Tätigkeit als Justiziar sind das Erb- und Stiftungsrecht. So betreut er auch die Helder Camara Stiftung von Misereor.

henrike.rick(at)misereor.de
norbert.dressen(at)misereor.de

www.misereor.de
www.helder-camara-stiftung.de

 

 

Liebe Frau Rick, lieber Herr Dreßen, Sie arbeiten beide bei Misereor. Wir alle kennen Misereor, aber manche ggf. nur als Schlagwort. Nennen Sie uns doch bitte einleitend kurz die wesentlichen Punkte zu Misereor, bevor wir hier konkreter werden.

Misereor ist das Hilfswerk der deutschen Katholiken gegen Hunger und Krankheit in der Welt. Seit 1958 hilft Misereor den Armen in Afrika, Asien und Lateinamerika bei ihrem Einsatz für ein menschenwürdiges Leben und ihrem Kampf gegen Armut und Not. Dabei orientiert sich Misereor an den Bedürfnissen der Armen und vertraut auf die Kraft und Kompetenz der Betroffenen. Es sieht den Menschen im Mittelpunkt, unabhängig von Religion, Geschlecht, Nation.

 

Liebe Frau Rick, Sie sind ausgebildete Lehrerin. Lieber Herr Dreßen, Sie sind Volljurist. Wie sind Sie beide zu Misereor gekommen?

In einer Phase, in der kaum neue Lehrer in den Schuldienst übernommen wurden, suchte Misereor eine Mitarbeiterin für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Eintreten für den „fernen Nächsten“, wie es uns die Bibel ans Herz legt, der Blick über den eigenen Tellerrand unserer Wohlstandsgesellschaft hinaus war mir, vor allem durch einen freundschaftlichen Kontakt nach Indien, schon seit vielen Jahren ein Anliegen. Darum habe ich mich gefreut, dieses Anliegen nun auch im Beruf konkret umsetzen zu können. Seit 1993 habe ich dann als Aufgabenbereiche das Erbschaftsmarketing und später den Aufbau der Misereor-Stiftung, der „Helder Camara-Stiftung“ mit übernommen.

Nachdem ich zunächst berufliche Erfahrungen im Bereich der Versicherungswirtschaft gesammelt hatte, reifte in mir der Entschluss, mein fachliches Wissen in den gemeinnützigen Sektor einzubringen. Für mich war und ist es entscheidend, dass ich mich mit den Zwecken und Zielen einer Organisation identifizieren konnte und kann. So nahm ich Kontakt zu Misereor auf, das ich durch mein ehrenamtliches Engagement in der örtlichen Kirchengemeinde schon kennengelernt hatte. Seit 1986 bin ich für Misereor als Justiziar tätig. Neben dem Erb-und Stiftungsrecht fallen auch andere rechtliche Angelegenheiten – wie z.B. Vertragsgestaltungen mit Autoren, Fotografen – in meinen Arbeitsbereich.

 

Sie beide habe ich auf einer Veranstaltung kennen gelernt, in der Sie über das durchaus besondere Erbschaftsmarketing von Misereor berichtet haben. „Erbschaftsmarketing“ findet zunehmend Verbreitung. Es ist aber wohl ein schmaler Grat, auf dem sich hier die NPOs bewegen. Was ist das Besondere an Ihrem Vorgehen bei Misereor? Und gefällt Ihnen überhaupt das Schlagwort des Erbschaftsmarketing oder sehen Sie es (auch) kritisch?

Vermächtnisse und Erbschaften für Misereor tragen dazu bei, die vielfältigen Projekte im Kampf gegen Armut und Not in der Welt zu finanzieren. Insofern ist Erbschaftsmarketing ein wichtiger Baustein in der Arbeit eines Spenden sammelnden Hilfswerks.
Erbschaftsmarketing ist zunächst ein technischer Begriff, den wir mit Leben füllen wollen. Das versuchen wir, indem wir Menschen begeistern wollen für die Idee, für die Misereor steht. Wir wollen sie bewegen, auch in ihrem Testament das Engagement für die Armen und Notleidenden nicht zu vergessen. Dabei muss es immer darum gehen – wie in der Projektarbeit von Misereor – den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein rein technisches Erbschaftsmarketing würden wir kritisch sehen, weil dies der Individualität des Einzelnen und seiner Anliegen bei der Testamentsgestaltung in keiner Weise gerecht würde. So führen wir persönliche Beratungsgespräche, wenn Menschen sich mit Fragen zu ihrem Testament an uns wenden. Wir versuchen, gemeinsam das herauszuarbeiten, was für den Einzelnen vor dem Hintergrund seiner persönlichen Lebensgeschichte wichtig und sinnvoll ist.
Im Mittelpunkt steht der Mensch – das betrifft natürlich nicht nur das Erbschaftsmarketing, sondern auch die konkrete Abwicklung von Erbschaften zu Gunsten von Misereor.

 

Im Mittelpunkt steht der Mensch. Können Sie dazu einige konkrete Beispiele nennen, um das zu verdeutlichen?

Neben der korrekten Abwicklung ist auch die menschliche Seite wichtig, die ein Todesfall mit sich bringt. In jedem Nachlass gibt es persönliche Dinge mit ideellem Wert, die den Angehörigen viel bedeuten und für sie Erinnerungen an die Verstorbenen wach halten. Deswegen bemühen wir uns sehr darum, eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen uns und den Angehörigen zu schaffen und die Wünsche der Freunde und Verwandten mit einzubeziehen. Zum Beispiel das Sideboard war schon vor dem Tod versprochen; das halbe Besteck hat schon das Patenkind; an den Bruder geht das Ölbild mit der Ansicht vom elterlichen Hof.
Es gilt, eine gute Balance zwischen einem einfühlsamen Umgang mit den Angehörigen und einer korrekten Abwicklung im Sinne des Erblassers zu halten. Das bedeutet oft einen zeitintensiven persönlichen Einsatz vor Ort. Das bedeutet auch, zum Beispiel das Gespräch mit der Schwester eines Verstorbenen zu führen. Sie hatte sich ohne jegliche (finanzielle) Anerkennung intensiv um den Verstorbenen gekümmert. Dieser hatte es aber unterlassen, sie testamentarisch mit zu bedenken. Hier haben wir gemeinsam eine Lösung gefunden, die diese Lebensleistung berücksichtigt und wertschätzt. Bei jeder Erbschaft freuen wir uns, wenn es gelingt, einen guten Kontakt zu Verwandten und Freunden zu schaffen und ohne Streit die Dinge im Sinne des Verstorbenen zu regeln.

 

Zum Schluss noch etwas ganz Anderes. Was würden Sie jungen Menschen nach Schulabschluss zur Berufswahl und zum Einstieg in das Berufsleben raten?

Sie sollten „mit Herz“ ihren Beruf ausüben. Dazu gehört, dass sich die persönlichen Werte und Überzeugungen mit den Zielen und Zwecken des Unternehmens, für das sie arbeiten, in einer guten Balance befinden.


Aus der eigenen Erfahrung mit meinen Kindern kann ich (Dreeßen) nur raten, ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu machen. Es stärkt die Persönlichkeit, die Sprach- und Sozialkompetenz der jungen Menschen ungemein.

 

Liebe Frau Rick, lieber Herr Dreßen, herzlichen Dank für das Gespräch.