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Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt und berät seit 1987 vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Andreas Mankel: Impact Investment - Investition mit Wirkung

Interview von RA Christoph J. Schürmann (20.01.2014)

Andreas Mankel ist Gründer und Geschäftsführer der 7x7 Unternehmensgruppe in Bonn. Die Gruppe entwickelt und realisiert alternative Konzepte und Projekte in den Bereichen Vorsorge und Vermögen, Investment und Geldanlage sowie regenerative Energien und Hilfsprojekte. Andreas Mankel ist gelernter Bankkaufmann und Bankbetriebswirt und seit 35 Jahren in der Finanz- und Vermögensberatung „zu Hause“. Er ist Mitglied in zahlreichen Wirtschaftsverbänden und in Organisationen, die Menschen in Not helfen. Seit 2010 ist Mankel Senator im Senat der Wirtschaft in Bonn.

a.mankel(at)7x7.de

www.7x7.de

 

Sehr geehrter Herr Mankel, bisher galten Rentenwerte und Staatsanleihen als sicherer Hafen. Doch nun haben die Zinsen im Rentenmarkt ein historisch niedriges Niveau erreicht, so dass man das zunehmend anders sieht. Viele Stiftungen können immer weniger Mittel ausgeben. Es erscheinen auch erste Fachaufsätze zum Thema „notleidende Stiftungen“ (siehe etwa: Hüttemann/Rawert, Die notleidende Stiftung, ZIP 2013, 2136 ff.). Wie sehen Sie grundsätzlich die aktuelle Situation am Kapitalmarkt für Stiftungen?

Der Kapitalmarkt in der jetzigen Situation, mit hohen Aktienkursen und niedrigen Anleihezinsen, stellt für die Stiftungen ein Dilemma dar. Bei Erwartung steigender Zinsen beinhalten Anleihen ein Kursverlust-Risiko. Anlagen in Investmentfonds, die Aktienanteile enthalten, könnten bei einer neuerlichen Kurskorrektur ebenfalls an Wert verlieren. Der Auftrag einer Stiftung, Kapital zu erhalten, wird damit schwer zu erfüllen sein.

Vor diesem Hintergrund haben Sie über alternative Anlageformen nachgedacht. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen? Wie erreichen Sie eine bessere „Rendite“?

Durch die Konzeption einer nicht börsennotierten Anleihe eines mittelständischen Unternehmens, das sich ausschließlich mit Investitionen in produktive Sachwerte beschäftigt und eine attraktive Verzinsung bietet, können die Nachteile vermieden werden. Dazu kommt die Absicherung durch Grundschulden auf Immobilienprojekten. Bei dieser Konzeption geht es uns aber vor allem um die gleichzeitige Erreichung von finanzieller Rendite und positiver sozialer oder auch ökologischer Wirkung. Die Fachbranche hat dafür den neuen Begriff „Impact Investment“ geprägt. Dabei investiert man das Kapital in Projekte, die eine positive Wirkung auf unsere Gesellschaft haben.

In welcher Form gibt es diese „Impact Investments“ und gibt es dafür nicht auch eine deutsche Bezeichnung?

Tatsächlich ist der Begriff „Impact Investment“ bzw. „Impact Investing“ noch relativ neu. Die Definitionen sind zahlreich und unterliegen einer kontinuierlichen Entwicklung. Ich benutze am liebsten den Begriff „Investieren mit Wirkung“. Aber das sind immer nur mehr oder weniger gelungene Schlagwörter, sprich eine Art Kurzbezeichnung für das, was ich eben umschrieben habe. Entscheidend ist, ob es in der Praxis funktioniert. Das Spektrum an Impact Investments reicht von Fonds über Anleihen und Beteiligungen an Wohn- und Gewerbeimmobilien bis hin zu Windparks und Photovoltaikanlagen. Immobilien und erneuerbare Energien gehören auf jeden Fall zu den produktiven Sachwerten, die sowohl gesellschaftlichen Nutzen stiften als auch einen deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegenden Ertrag bieten – Inflationsausgleich inklusive. So werden alle drei klassischen Stiftungsziele erreicht: Vermögen erhalten, Erträge erzielen und den Stiftungszweck erfüllen.

Sicherheit ist ein wichtiges Kriterium für Stiftungen. Wie steht es damit bei den „Impact Investment“-Angeboten auf dem Markt der Kapitalanlagen?

Die Entscheidungsträger einer Stiftung müssen sicher für die Prüfung solcher Investitionen mehr Zeit aufwenden und gegebenenfalls auch externe Kompetenz einschalten. Aber angesichts der Möglichkeiten, die ein Impact Investment bietet, lohnt sich dieser Aufwand gewiss. Am besten, man legt ein Prüfungsraster an, mit dem man die Risiken abklopft. Dabei sind Fragen hilfreich, beispielsweise die nach konkreten Sicherheiten wie etwa einer grundbuchrechtlichen Besicherung, aber auch die Transparenz in der Projektbeschreibung sowie die Kompetenz des Projektbetreibers. Von Vorteil ist es sicherlich, wenn der Anbieter der Kapitalanlage zugleich auch Projektentwickler ist. Das bedeutet mehr Transparenz durch regelmäßiges Reporting.

Sicherheit mit Blick auf die Vermögenserhaltung ist aber nur ein Kriterium für Stiftungen. Das andere, ggf. sogar vorrangige, ist die Zweckerfüllung, denn dafür ist die Stiftung errichtet worden. Gerade da soll wohl die sinnstiftende Wirkung der Investments greifen. Worauf sollte man hier besonders achten?

Bei allen Investitionen sollte man darauf achten, dass sie möglichst unmittelbar die Lebensqualität und das Lebensumfeld für Menschen verbessert; etwa indem langfristig bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt wird oder Arbeitsplätze in Wohnraumnähe geschaffen werden oder erhalten bleiben. So könnte man mit dem Investment zur Zweckerfüllung beitragen.

Wie sähe das konkret aus?

Viele kirchliche Stiftungen etwa dienen sozialen Zwecken, andere wieder unterstützen Bildungsziele. Hier ist die Investition in den Bau von Kindertagesstätten oder der Erwerb kirchennaher Immobilien interessant. Oder etwa der Bau bzw. Erwerb gewerblicher Immobilien, die sozialen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Wird die Energiebilanz der Gebäude durch energetische Sanierung und Investition in erneuerbare Energie verbessert, kommt noch der nachhaltige Effekt hinzu.

Wie schätzen Sie selbst die Chancen für Impact Investment in Deutschland vor dem Hintergrund einer doch recht konservativen und traditionell orientierten Stiftungswelt ein?

Ich sehe hier zwei Entwicklungen: Die Stiftungen müssen aus Ihrer Komfortzone herauskommen, wenn Sie ihren Zweck nachhaltig erfüllen wollen, und dazu das nötige Kapital eben nicht nur aus Spenden rekrutieren. Manche haben diese Notwendigkeit schon erkannt und investieren verstärkt in Sachwerte. Die anderen sollten sich vor Augen halten, dass soziale und gesellschaftliche Veränderungen immer von Menschen mit Unternehmungsgeist und Mut vorangetrieben werden. Das war schon immer so, wie man am Beispiel von Friedrich Wilhelm Raiffeisen sehen kann, dessen genossenschaftliche Idee heute einen ungeahnten Aufschwung erfährt. Er hat es verstanden, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem Engagement zu verbinden – und hat bewiesen, dass es funktioniert. Ich wünsche mir für die deutsche Stiftungslandschaft einen Aufbruch in diesem Geiste.

Das ist ja ein richtiger Appell! Sie haben sich offensichtlich mit dem Thema Stiftung intensiver beschäftigt. Wir erleben häufig, dass das Thema die Menschen richtiggehend begeistert. Wie hat das auf Sie gewirkt?

Durch unseren eigenen 7x7hilfe Verein sind wir damit ständig beschäftigt, haben aber auch bald die Grenzen der Möglichkeiten erfahren, da hier nur kleine Projekte möglich sind. Daher werde ich 2014 die 7x7lebenswert Stiftung gründen. Daneben entwickle ich über die 7x7 Gruppe produktive Sachwerte und stelle diese über Anlageprodukte zur Verfügung. Da kenne ich mich aus, da kann ich mein Fachwissen und meine Erfahrung ganz besonders einbringen.

Abschließend möchte ich Ihnen gerne eine Frage stellen, die wir hier auf www.stiftungsrecht-plus.de fast immer an das Ende eines Interviews stellen: Auch heutzutage stehen junge Leute vor der wichtigen Frage ihrer Berufswahl. Welche Tipps können Sie diesen jungen Leuten für eine erfolgreiche Zukunft geben?

Schon in den letzten ein bis zwei Jahren der Schulzeit sollten junge Leute neugierig beobachten, was Unternehmen in ihrem Umfeld tun und welche Berufe dort angeboten werden. Zusätzlich empfehle ich, möglichst früh die eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen. Optimal wäre es, früh einen Mentor oder Coach zu finden, der sie in dieser Orientierungsphase begleitet.

Sehr geehrter Herr Mankel, herzlichen Dank für das Gespräch!