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"Die Stiftung in der Beraterpraxis" widmet sich auch in der 4. Auflage ausführlich den Praxisfragen zur Stiftung.

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Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt und berät seit 1987 vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

Jörg Busenbender: Fuggersche Stiftungen

Interview von Dr. K. Jan Schiffer (2017)

 

Jörg Busenbender, Diplom-Politologe, Diplom-Verwaltungswirt, Business Coach, Jahrgang 1966, seit 2006 geschäftsführender Gesellschafter von Busenbender International GmbH, Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen, zuvor Berater bei KPMG und Kriminalkommissar in Berlin.

www.busenbender.de

 

Herr Busenbender, wir haben uns bei einem Seminar kennengelernt. Beschreiben Sie doch bitte unseren Lesern, was genau Sie im Bereich Stiftungen tun.

In der komplexen Nachfolgeplanung einer Stiftung übernehmen wir die Beratung in einem Bereich, in dem es ganz persönlich wird: Wer soll dem Stifter/der Stifterin oder einem langjährig erfolgreichen Stiftungsmanager als Vorstand nachfolgen? Daneben coachen wir Stifter/Stifterinnen auch unabhängig von konkreten Nachfolgeentscheidungen zu Fragen der persönlichen Lebensplanung und der generationenübergreifenden Erhaltung des eigenen Lebenswerkes.

Wie ich weiß, waren Sie vor einiger Zeit für die Fuggerstiftungen tätig. Diese gehören zu den ältesten Stiftungen in Deutschland. Dürfen Sie uns verraten, was Sie für die Stiftung gemacht haben?

In der Tat hatten uns das Fuggersche Familienseniorat, also die Vertreter der drei Fuggerschen Familien, sowie der Administrator der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen gebeten, sie bei der Suche und Auswahl einer Programmleiterin (m/w) und stellvertretenden Administratorin (m/w) zu beraten.

Wie kann ich mir eine solche Beratung konkret vorstellen?

Unser Auftrag war es, den gesamten Auswahlprozesses gemeinsam mit dem Administrator (heute würde man ihn Vorstand oder Geschäftsführer nennen) und den Fuggerschen Familien zu gestalten und durchzuführen; angefangen von der Erarbeitung eines Kandidatenprofils über die Suche und Vorauswahl potentieller Kandidaten sowie die persönliche Präsentation ausgewählter Kandidaten in zwei nachgelagerten Auswahlrunden bis hin zur Referenzprüfung und Endauswahl der Finalisten.

Was hat Sie an diesen alten Stiftungen besonders fasziniert?

Besonders hat mich die ungewöhnliche Verbindung von Kontinuität und Anpassung fasziniert. Das drückt sich z.B. in dem hohen persönlichen Engagement der Stifterfamilien und auch an der Interpretation des Stifterwillens aus. Noch heute bilden die Chefs der drei Familienclans das Familienseniorat, in dem alle wesentlichen Entscheidungen im Sinne ihrer Vorfahren aus dem 16. Jahrhundert getroffen werden, denn die neun Stiftungen sind tatsächlich rund 500 Jahre alt. Die bekannteste ist die Fuggerei, die wohl älteste Sozialsiedlung der Welt. Sie wurde 1516 als Reihenhaussiedlung für bedürftige Augsburger erbaut und erfüllt seitdem ununterbrochen ihren Stiftungszweck. Auch heute noch können Menschen mit geringem Einkommen in der Fuggerei wohnen. Das entspricht exakt dem Willen von Jakob Fugger. Angepasst wurde neben der baulichen Substanz lediglich die Wohnmiete: Damals waren es ein Rheinischer Gulden; heute sind es 88 Cent Jahreskaltmiete. Geblieben ist allerdings die Erwartung, täglich drei Gebete für die Stifterfamilien zu beten.

Was können wir von dieser Stiftung aus Ihrer Sicht lernen?

Ich vermute, dass die Fuggerschen Stiftungen gerade in dieser Mischung aus Kontinuität und Anpassung für andere Stiftungen ein Vorbild sein könnten. Darüber hinaus ist gerade auch die Fuggerei in Zeiten, in denen Kooperationen für Stiftungen zunehmend wichtig werden, ein gutes Beispiel für gelungene Integration in ein sich stetig wandelndes Umfeld und für die vielfältige Kooperation mit anderen Akteuren der Stadtgesellschaft. Denken Sie nur daran, wie Augsburg wohl vor 500 Jahren ausgesehen haben mag und wie sich die Stadt in all den Jahrhunderten verändert hat. Dass die Fuggerei noch heute Vorbildcharakter hat, liegt u.a. auch daran, dass die Gräfinnen und Fürsten Fugger sowie der Administrator und sein Stiftungsteam intensiv mit den Kirchen, dem Oberbürgermeister, mit Sozial- und Pflegediensten, Tourismuspartnern, Schulen etc. zusammenarbeiten. Das hat wirklich Vorbildcharakter.

Abschließend möchte ich Ihnen gerne eine Frage stellen, die wir hier auf www.stiftungsrecht-plus.de fast immer an das Ende eines Interviews stellen: Auch heutzutage stehen junge Leute vor der wichtigen Frage ihrer Berufswahl. Welche Tipps können Sie diesen jungen Leuten für eine erfolgreiche Zukunft geben?

Auch wenn ich mich mit dieser Frage nicht leicht tue, will ich es als Christ mit einem etwas ketzerisch klingenden Buddha-Wort versuchen: „Glaubt den Schriften nicht, glaubt den Lehrern nicht, glaubt auch mir nicht. Glaubt nur das, was ihr selbst sorgfältig geprüft und als euch selbst und zum Wohle dienend anerkannt habt.“ Und damit die jungen Leute Buddhas „zum Wohle“ nicht mit Eigennutz verwechseln, lasse ich abschließend noch Jesus Ihre Frage beantworten: "Der Größte unter euch soll euer Diener sein."

Herr Busenbender, herzlichen Dank für das Gespräch.