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Dr. K. Jan Schiffer

Dr. K. Jan Schiffer ist Wirtschaftsanwalt. Er berät vor allem Familienunternehmen, Stiftungen, Verbände, staatliche Stellen, …mehr

22.10.2012Soziale Netzwerke, Web 2.0 ... als Spaltpilze?

Von: K. Jan Schiffer

(31.3.2012 mit Erg. v. 22.10.2012 = am Ende)

Unsere Kinder lieben es: Facebook, Twitter & Co.

Mir begegnet das, was Kenner locker Web 2.0 oder social media nennen, natürlich auch immer öfter und das auch in der Stiftungswelt - zuletzt diese Woche in Süddeutschland. (Bitte jetzt keine Begriffsdiskussion, weil ich mich mit einer leicht unscharfen Begriffsverwendung als Laie geoutet habe! Irgendwie bin ich ja z. B. mit www.schiffer.de seit 1995 auch dabei, aber wohl nicht auf dem neuesten Stand.)

Worum geht es?

Auch die Gemeinnützigkeitswelt setzt wie die Wirtschaftswelt zunehmend auf die "Neuen Medien". Sogar und vermehrt auch in Kreisen älterer Herrschaften (Ich bin auch schon 53!) finden sich zunehmend solche, die vorschlagen: "Wir (in der Stiftung, im Verein, ...) müssen setzt auch bei Facebook mitmachen. Wir wollen doch auch die jungen Leute erreichen. Ich habe da schon einmal einen möglichen Auftritt für uns vorbereitet." Dann werden einige schöne Bilder an die Wand geworfen, wie der Auftritt etwa bei Facebook für besagte Stiftung oder besagten Verein aussehen könnte. 

So weit, so gut! Der geneigte Leser dieser Zeilen ist ja auch schon mitten drin. Aber dann geht es los. Es finden sich nämlich  auch immer solche, die auf die immer wieder mehr oder weniger kenntnisreich diskutierten "ganzen Gefahren" hinweisen, die damit verbunden sind: Datensicherheit, Datenschutz, Datenspeicherung und Datenklau - ausspionieren, Nutzerprofile, ...

Und dann? Dann versteht man sich kaum noch. Man führt fast einen "Glaubenskrieg". (Weil die Materie eben nicht so ganz simpel ist, bleibt oft nur das Glauben!) Die einen sind absolute Fans des Neuen, das sie vermeintlich oder wirklich gut kennen. Die anderen sind profunde Skeptiker und wenden sich gegen das Neue, das sie vermeintlich oder wirklich nicht gut kennen. Ich will die Diskussion hier nicht nachzeichnen. Sie wird leider ähnlich geführt, wie wohl (Ich war nicht dabei, habe es aber gelesen.) die Diskussion bei der Einführung der Eisenbahn und der Kfz. Als hätten wir nichts gelernt. Was hätten wir denn lernen können?

Einige Punkte hätten wir schon lernen können, d. h. könnten wir bei der Diskussion im Sinne der Sache sehr wohl beachten. Ich möchte hier einmal 7 Punkte nennen und das absolut subjektiv aufgrund meiner durchaus auch zufälligen Erfahrungen:

1. Natürlich sollte man wissen, wovon man redet. Umso wichtiger ist es, aufzuklären und möglichst alle Facetten eines Themas zu beleuchten. Bilder sind dabei hilfreich, aber reichen nicht. Die Argumente in der Sache zählen. So wenig wie mir von einer Bank zur Vermögensverwaltung die unsäglichen powerpoint-Präsentationen reichen, tun sie es bei diesem Thema.

2. Jeder sollte mit seinen Gedanken und Ängsten auch bei diesem Thema sehr ernst genommen werden.  Es geht darum, die Skeptiker zu überzeugen.

3. Wir wissen wohl alle, dass diese Art der Kommunikation mainstream ist oder werden wird. Das beantwortet im konkreten Fall allerdings noch nicht die Frage, ob und wie man dabei sein soll/will. Und auch nicht die Frage, warum (!) man überhaupt dabei sein soll/will.

4. Der allgemeine Hinweis, dass man auf diese Weise junge Menschen besser erreicht, überzeugt nicht. Entscheidend ist doch, welche konkrete Zielgruppe man mit Facebook, Twitter & Co. erreichen will. Und eben auch, was man bei dieser Zielgruppe erreichen will.

5. In nächsten Schritt, sollte man dann wissen, ob man das, was man sich vorgenommen hat, wirklich in richtig guter Qualität leisten kann und das nachhaltig. In einer Qualität, die sich abhebt und nicht als ein reines "Me-Too"-Produkt irgendwie mitschwimmt. ("Das machen doch tausende ander auch so!")Unter anderem nach Kurt A. Niehaus gelten auch hier die berühmten  5 As als Motto: Angenehm anders als alle anderen.

6. Diverse Rechtsfragen, wie auch die unumgänglichen konkreten Verantwortungszuweisungen (Es soll ja schon mal Haftungsfragen im www. gegeben haben.) lassen sich in den Griff bekommen.

7. Schließlich wird zu überlegen sein, ob sich der Aufwand, wenn er den tatsächlich nachhaltig geleistet werden kann, auch wirklich lohnt. Gerade die Entscheider in gemeinnützigen Organisationen müssen mit den ihnen treuhänderisch anvertrauten Mitteln ja gut und zweckbezogen wirtschaften. Ein einfaches „Machen wir doch mal!“ reicht nicht, wie schon diese wenigen Punkte zeigen.

Fazit

Wenn man Glück hat gibt es einen Brückenbauer in der Stiftung oder dem Verein, der sich auskennt und die vorstehenden und sicherlich zusätzliche Punkte im Sinne der Sache als Mediator mit den Diskutanten abarbeitet. Mir mailte das dieser Tage ein älteter Freund und ich las es unterwegs auf meinem Smartphone. (Ein wenig gehe ich schon mit der Zeit!). Er berichtete auch, wie er auf einem einschlägigen Kongress um verbale Abrüstung in der Diskussion gebeten hatte. Und meinte weiter: "Laut einer Umfrage des Bitkom, des größten Branchenverbandes für die Informations- und Telekommunikationsindustrie in Deutschland, haben mehr als 80 % der Deutschen Ängste zum Thema Internet."

Nehmen wir diese Ängste doch einfach ernst, schauen sie uns genauer an und argumentieren "abgerüstet" in der Sache. Dann klappt das in unseren NPOs auch (schneller und besser) mit dem Internet und mit Web 2.0.

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P.S. Bei der Gelegenheit möchte ich gerne vermelden, dass diese kleine Seite zu dem Stiftungsbuch inzwischen nachhaltig über 1.200 unterschiedliche "user" im Monat hat. Herzlichen Dank an die interessierte "Stiftungs- und Web-Gemeinde".

((22.10.2012))

  • Aus der persönlichen Sicht eines Politikers (Eisel) läßt sich Facebook wie hier dargestellt bewerten. (Interessant erscheinen vor allem die Hinweise auf die Zahlen.)
  • Zum Thema Social-Media-Controlling siehe Hillmer, BC 2012, 339 ff.