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29.06.2012Ein Banker: Total daneben im Einzelfall?

Von: K. Jan Schiffer

(mit Leserkommentar vom 29.06.2012)

Im "MorningBriefing" vom 21. Juni 2012 mailte mir das Handelsblatt folgenden Text:

"Dirk Notheis, Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley, ist nicht der Profi, für den er sich hält. Seine E-Mails, die mittlerweile den Untersuchungsausschuss in Stuttgart beschäftigen, zeigen einen Mann, der sich über den Staat und dessen Repräsentanten erhoben fühlte. Beim verfassungswidrigen Rückkauf von EnBW-Aktien hat er sich erkennbar über alle Anstandsregeln hinweg gesetzt. Die Konkurrenz wollte er ausschalten, den Finanzminister erst in letzter Sekunde informieren, die Kanzlerin nannte er "Mutti". Er drohte damit, den damaligen CDU-Chef von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, gegen Merkel aufmarschieren zu lassen: "Er kann Angela mit seinen Truppen töten".  ..."

Liest man dann im HB vom 21.06.2012 die zugehörigen Artikel auf den Seiten 6 und 7, wird das alles noch unglaublicher. Das HB ist eine seriöse Zeitung, aber man kann es dennoch (fast) nicht glauben.

Ludwig Pollain bewertet in seinem Kommentar (aaO., S. 7) u. a. wie folgt: "Einem Ministerpräsidenten Texte zuzuleiten, die die deutsche Kanzlerin als "Mutti" titulieren, läßt jegliches Gefühl für Takt und Anstand vermissen.""

Stimmt, wobei ich glaube, dass die Kanzlerin über den Fehlgriff eher mitleidig schmunzeln wird.

Warum erwähne ich das alles hier?

Nun, mir scheint, dass der Zeitungsbeitrag einen ganz wesentlichen Hinweis für uns Berater und die Zusammenarbeit mit unseren Mandanten enthält. Das HB schreibt (aaO., S.7):

"Die Art und Weise, wie Notheis Mappus herumkommandiert, zeigt keine Zusammenarbeit, kein gemeinsames Handeln. Sie zeigt Notheis, den General, und Mappus, den Befehlsempfänger. ... An keiner Stelle in den Mails von Notheis kommt zum Ausdruck, dass er Dienstleister von Mappus war. Im Gegenteil."

So geht es wirklich gar nicht. Das Ergebnis der Beratung, so wie man es bisher kennt, spricht für sich!

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Leserkommentar vom 29.06.2012:

In diesem Fall ist für mich sehr bezeichnend, wie eine hochrangige Persönlichkeit (ob privater Bezug vorhanden ist oder nicht) wie ein Ministerpräsident mit sich sprechen lässt. Viele Verantwortliche sind mit komplexen Sachverhalten überfordert und verlassen sich auf Berater. Sie trauen sich dann nicht, die Überforderung zuzugeben oder - was nur gut und richtig wäre - einen weiteren Rat einzuholen. Auch fehlt oft der Mut, ggf. rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn erkannt wird, dass der Weg, den man beschreiten will, in die falsche Richtung führt, um nicht als Spielverderber da zu stehen. So kommt es dann zu solch ungleichen Verhältnissen, in denen Berater (die selbst meist sehr unter Erfolgsdruck stehen) die Strategie entscheiden und andere die Verantwortung dafür übernehmen.

Heinrich Hartmann,

89134 Blaustein, Generalbevollmächtigter einer Privatbank, Dipl. Bankbetriebswirt (Frankfurt School of Finance and Management) und Dipl. Private Banking Berater (Universität Liechtenstein)