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Für Geflüchtete: Bürgerstiftungen stiften 1.800 Patenschaften

09. Februar 2017

Sehr gerne veröffentlichen wir die erfreuliche PRESSEMITTEILUNG DER INITIATIVE BÜRGERSTIFTUNGEN vom 08.02.2017:

Mehr als 1.800 Patenschaften haben Bürgerstiftungen 2016 im gleichnamigen Projekt der Initiative Bürgerstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen gestiftet. 2017 wird das Projekt fortgesetzt. Eine aktuelle Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration bestätigt die Bedeutung der Patenschaften.

Berlin, 8. Februar 2017. Sie üben Deutsch, reparieren Fahrräder, lernen Schwimmen, suchen Wohnungen, füllen Formulare aus, knüpfen Kontakte, erleben Alltag in Deutschland: Mehr als 1.800 Patenschaften zwischen Einheimischen und Geflüchteten haben 16 Bürgerstiftungen in ganz Deutschland 2016 initiiert und begleitet. Nach dem erfolgreichen ersten Jahr des Projekts „Bürgerstiftungen stiften Patenschaften“, das vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Menschen stärken Menschen“ gefördert wird, geht es 2017 weiter: mit 2.000 Patenschaften.

„Das menschliche Miteinander ist die Basis unseres Patenschaftsprogramms – und macht es erfolgreich“, sagt Birgit Radow, stellvertretende Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. „Vielen Geflüchteten fehlen persönliche Kontakte zu Deutschen. Ohne diese kann Integration aber nicht gelingen. Genau hier setzt das Projekt ‚Bürgerstiftungen stiften Patenschaften‘ an. Und auch für die Menschen vor Ort ist das Kennenlernen der Neuankömmlinge wichtig – für Verständigung, gegen Vorurteile, gegen Fremdenfeindlichkeit.“

Eine gerade veröffentlichte Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und der Robert Bosch Stiftung bestätigt die Bedeutung des Projekts „Bürgerstiftungen stiften Patenschaften“: So ist der Wunsch nach einer echten persönlichen Beziehung zur den Menschen vor Ort sehr groß. „Neben materieller und alltagspraktischer Unterstützung durch die Bevölkerung sind es dabei vor allem individuelle Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die emotional berühren und Dankbarkeit auslösen„, fasst die Studie die geführten Gespräche mit Geflüchteten zusammen.

Patenschaften: Vier Beispiele aus Berlin, Holzkirchen, Nienburg und Köln

Mit großen Augen sehen die Kinder in dem Aufenthaltsraum der Flüchtlingsunterkunft im Süden Berlins Mathias Neumann und Natascha Salehi-Shahnian an. „Wir haben euch ein Buch mitgebracht“, sagt Neumann. Seine Mitstreiterin von der Bürgerstiftung Berlin übersetzt in Farsi. Hinter ihnen auf der Leinwand ist ein Kinderbuch zu sehen. „Bilderbuchkino“ heißt eines der Angebote, bei dem die ehrenamtlichen  Paten mit Kindern in Willkommensklassen und Flüchtlingsunterkünften zusammenkommen. Ein anderes „Zauberhafte Physik“, bei dem die Engagierten über Experimente den Zugang zu den Kindern finden. „Die Projekte machen Ehrenamtlichen und Kindern unheimlichen Spaß. Dank der guten Bindungen lernen die Kinder die deutsche Sprache und noch viel mehr wie im Flug“, sagt Projektleiterin Natascha Salehi-Shahnian.

Schwarz und weiß, jung und alt, neu angekommen und alt eingesessen: Die Fotos der Ausstellung „Integration bekommt ein Gesicht“ zeigen Gegensätze. Und Gemeinsamkeiten: Menschen, die sich anlächeln, sich umarmen, sich nah sind. Sie halten einige der Patenschaften fest, die 2016 in Holzkirchen entstanden sind. Mentoren heißen die Paten hier. Sie lernen mit ihren „Menti“ Deutsch, machen Sport, begleiten sie zu Behördenterminen. Fotografiert hat die Bilder, die kürzlich in der Holzkirchner Gemeindebücherei zu sehen waren, Klaus Offermann, Koordinator des Patenschaftsprojekts „A-Mentor“ der Bürgerstiftung Holzkirchen. „Die Ausstellung war ein voller Erfolg“, sagt er und erklärt die doppelte Bedeutung des Ausstellungstitels: „Zum einen zeigen die Bilder Gesichter. Zum anderen wird durch die Patenschaften Integration ganz individuell erlebbar – sie bekommt ein Gesicht.“

Im Landkreis Nienburg in Niedersachsen wird geschraubt, geölt, geflickt, Verkehrsregeln geübt – und bei alledem Deutsch gelernt. Die Fahrradwerkstätten sind ein Beispiel für Projekte, die Geflüchtete und Einheimische zusammen verwirklichen. „Wir wollen etwas gemeinsam tun. Das schweißt uns zusammen – und nebenbei lernt man Deutsch“, sagt Frank Lehmeier, Koordinator des Patenschaftsprojekts der Bürgerstiftung im Landkreis Nienburg. „Und dank der reparierten Fahrräder sind die Geflüchteten mobil. Das ist bei uns auf dem flachen Land sehr wichtig.“ Auch ein Schwimmkurs und ein Nähcafé sind entstanden. „Im nächsten Schritt muss es jetzt um den Einstieg ins Berufsleben gehen“, sagt Lehmeier mit Blick auf das neue Projektjahr.

„Es ist sehr schön, eine deutsche Familie zu haben“, sagt Gayath Swied. Seit fast zwei Jahren lebt der Syrier mit seiner Frau und den beiden Kindern in Deutschland. Er hat Deutsch gelernt, engagiert sich ehrenamtlich in einem Seniorenheim, sucht Arbeit als Biologe. „Das ist schwer“, sagt er. Auch der Anfang in Deutschland sei schwer gewesen. Außer den Nachbarn, der manchmal im Flur grüßte, habe er niemanden gekannt. Doch seit Mai ist Biggi Marburger seine Patin. Über die Kölner Stiftung KalkGestalten fanden die beiden zueinander.  Sie treffen sich jeden Samstag, sie sprechen über Literatur, über das frühe osmanische Reich, über Donald Trump, über Mülltrennung, über Syrien, wohin sie beide einmal gemeinsam reisen möchten – „wenn der Krieg endlich zu Ende ist“. Biggi Marburger unterstützt Gayath Swied, wenn er Fragen zum Leben in Deutschland hat. Und der 42-Jährige packt mit an, wenn die 67-Jährige im Haus mal Hilfe braucht. Kürzlich waren sie im Haus der Geschichte in Bonn, Weihnachten feierten sie gemeinsam. „Da haben wir extra für die Kinder einen Baum aufgestellt“, erzählt Biggi Marburger. Über ihr Engagement als Patin sagt sie: „Der persönliche Kontakt ist doch so wichtig, um sich in einem Land wohlzufühlen.“

Die teilnehmenden Bürgerstiftungen

Insgesamt 16 Bürgerstiftungen beteiligten sich 2016 am Projekt „Bürgerstiftungen stiften Patenschaften“. Die weiteren: Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, Bürgerstiftung Barnim Uckermark, die Bürgerstiftungen aus Duisburg, Dresden, Freiburg, Göttingen, Kernen, Lilienthal, München, Ostfildern, Stuttgart und die Wiesbaden-Stiftung.

Das Programm „Menschen stärken Menschen“

Das Projekt „Bürgerstiftungen stiften Patenschaften“ ist Element des Programms „Menschen stärken Menschen“, das vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde. Es hat zum Ziel, Patenschaften zwischen geflüchteten und hier lebenden Menschen zu fördern. Insgesamt entstanden im Jahr 2016 mehr als 25.000 Patenschaften. Neben der Initiative Bürgerstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen nehmen andere Dachverbände wie die Bundesarbeitgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros (BaS), die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland teil.

www.menschen-staerken-menschen.de

Bürgerstiftungen und die Initiative Bürgerstiftungen

Aktuell gibt es 307 Bürgerstiftungen mit Gütesiegel in Deutschland. Die mehr als 29.000 Bürgerstifterinnen und Bürgerstifter sind seit der Gründung der ersten deutschen Bürgerstiftung vor 20 Jahren zur größten Gruppe von Stiftern in Deutschland geworden. Die 307 Gütesiegel-Bürgerstiftungen verfügen heute – Hochrechnungen der Initiative Bürgerstiftungen zufolge – über ein Vermögen von 334 Millionen Euro. Eine Million Stunden lang engagieren sich die Bürgerstiftungsakteure jährlich für gemeinnützige Zwecke. Bürgerstiftungen, die das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen tragen, entsprechen den 10 Merkmalen einer Bürgerstiftung. Sie sind unabhängige Stiftungen von Bürgern für Bürger, in die sich alle Menschen einer Stadt, Gemeinde oder Region einbringen können. Die Initiative Bürgerstiftungen ist das unabhängige Netzwerk der deutschen Bürgerstiftungen beim Bundesverband Deutscher Stiftungen.

www.buergerstiftungen.org

Kontakt: Franziska Rötzsch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Initiative Bürgerstiftungen

Mauerstr. 93 I 10117 BerlinTelefon + 49(30)897947-95 franziska.roetzsch(at)stiftungen.org

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