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Eine App und das Beraten wird ganz einfach!

15. Juli 2019

Anwälte sind oft unterwegs. Sie müssen deshalb nicht selten auch von unterwegs beraten. Dazu bietet ein „Kanzleisoftwareunternehmen“ nun eine App an, die den Zugriff auf Infos von unterwegs erlaubt und per „Push“ auch unterwegs informiert. Das erinnert an die bermerkensweren Sätze des Kollegen Dr. Islam (siehe dazu etwa Schiffer, AnwZert ErbR 13/2019 Anm. 1). Dr. Oliver Islam, seit gegenwärtig zwei Jahren in einer größeren Kanzlei in Hamburg als junger Rechtsanwalt tätig, meint zur Zukunft der Anwaltstätigkeit unter Anderem (Interview im AnwBl 2019, 328):

Meine Generation, auch die zehn Jahre über mir und erst recht die zehn Jahre unter mir, die braucht eigentlich nur eine App für die Rechtsberatung. Fragen stellen und eine Antwort online bekommen. Den persönlichen Rat wird es nur für die ältere Generation weiter[hin] geben.“

Verstehe ich das richtig? Jüngere Mandanten wollen keinen persönlichen Rechtsrat? Jüngere Anwälte wollen einen solchen auch gar nicht mehr geben? Ja, dann kann ja ein Chatbot den jungen Anwalt ersetzen, oder? Der Anwalt ist dann insoweit absolut überflüssig. KI statt MI – ausschließlich „Künstliche Intelligenz“ statt auch „Menschlicher Intelligenz“?

Digitalisierung und auch „Disruption“ sind mir nach weit über dreißig Jahren Anwaltstätigkeit nicht fremd . Ich sehe es aber dennoch deutlich anders als der Kollege Dr. Islam, und das nicht nur aber gerade auch im Zusammenhang mit stiftungsrechtlichen Beratungen. Nach meinen Erfahrungen steht nicht per se die juristische Fragestellung im Vordergrund. Sie ist oftmals – zumindest zunächst – vom Mandanten falsch formuliert. Häufig verdeckt sie auch das eigentliche menschliche Problem. Generell scheint mir eine rein materiell-rechtliche Antwort in der Regel neben der Sache zu liegen. Wir Rechtsanwälte müssen doch zuallererst Sachverhaltsaufklärung betreiben. Die Lösung liegt im konkreten Fall, wie mein Doktorvater Böckstiegel das immer wieder treffend umschrieb. Und ich lerne immer mehr, was er alles damit meinte.

Aus der Beratung im Zusammenhang mit Start-ups und von Start-ups habe ich zudem gelernt, dass auch die Jugend persönlichen Rat sehr wohl wünscht und auch benötigt, schon weil die Fragen nicht immer ohne Rückfragen so einfach zu verstehen und zu beantworten sind. Oftmals werden die Fragen zunächst schlicht falsch gestellt, eben weil dem Fragenden der Überblick, die Kenntnis und die Erfahrung fehlen. Zudem können auch junge Menschen, wie wir alle, nicht in die Zukunft schauen. In der Regel haben sie noch nicht lernen können, Zukunft zumindest etwas zu antizipieren und aus der Vergangenheit (= Erfahrung) abzuleiten. Auch das oftmals wichtige „Bauchgefühl“ wird übrigens mit den Jahren immer besser!

Weder KI noch MI, weder App noch persönliche Beratung sind nach meiner Berufserfahrung immer der richtige Ansatz. Methodenvielfalt und oft auch ein gemischter Ansatz sind nützlich, weil jeder Fall anders ist. Deshalb bitte persönliche Beratung, die gerne durch KI unterstützt werden kann. Das ist und bleibt ein ebenso sinnvoller wie moderner Beratungsansatz.

Dr. K. Jan Schiffer, Bonn, ist seit 1987 als Wirtschaftsanwalt tätig. Er berät vor allem Familienunternehmen, kleine bis sehr große Stiftungen und Körperschaften, Banken, Verbände, vermögende Privatpersonen sowie auch politische Gremien aus rechtlicher, steuerlicher, wirtschaftlicher und aus menschlicher Sicht und das in ganz Deutschland sowie im europäischen Ausland. Schiffer ist Gründer (1995) der Anwaltskanzlei SP§P Schiffer & Partner und hat Sitze in verschiedenen Unternehmensaufsichts- und Stiftungsorganen. Er war und ist zudem als Schiedsrichter (insb. DIS), Fachprüfer (Deutsche Stiftungsakadamie - DSA) und als Dozent für Fachleute (DAA, DSA, DVEV, Bundesfinanzakademie ...) und für Laien (Banken, Sparkassen, Vermögensverwalter ...) tätig.
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