Stiftungsarbeit in Zeiten von Corona

Innerhalb kurzer Zeit hat Corona viele Dinge grundlegend verändert, die uns gerade eben noch selbstverständlich erschienen sind. Nun sind wir umso mehr zur Solidarität mit unseren Mitmenschen und vor allem mit den am meisten gefährdeten Gruppen unserer Gesellschaft aufgerufen. Soziale Enthaltsamkeit ist das Gebot der Stunde. Gleichzeitig müssen wir uns alle darum bemühen, unseren Verantwortungen weiterhin gerecht zu werden. Gerade jetzt merken wir, in welch eng verwobenen Netz wir miteinander leben.

Auch für Stiftungen stellen sich jetzt viele Fragen auf einmal. Wie können sie ihre Arbeit weiterführen und gleichzeitig ihre Mitarbeiter schützen? Können Sitzungen der Organe stattfinden? Kann und muss man sich ggf. virtuell treffen – und auch beschließen? Angeblich soll das gerade verabschiedete Maßnahmenpaket der Bundesregierung es bspw. Vereinen ermöglichen, virtuelle Mitgliederversammlungen durchzuführen.

Wie steht es mit Homeoffice? Wie mit Kurzarbeit? Was können Stiftungen dazu beitragen, freie Mitarbeiter zu unterstützen, die erfahrungsgemäß wirtschaftlich besonders gefährdet sind?

Auch finanziell geht es für viele Stiftungen nun um existentielle Fragen. Man denke etwa Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Insbesondere bei Vermietung an gewerbliche Mieter, muss man sich die Frage stellen, ob die Einnahmen weiter fließen werden oder ob vielleicht auch auf Miet- und Pachtzinsen verzichtet werden sollte, um gefährdete Unternehmer*innen zu unterstützen. Darf man als Stiftung, die ihr Vermögen erhalten muss, einen solchen Verzicht überhaupt erklären? Nur diese wenigen Beispiele zeigen bereits, dass der enge Dialog mit den Stiftungsbehörden jetzt noch wichtiger wird. Auf Seiten der Stiftungsbehörden erhoffen wir uns weiterhin ein möglichst praxisnahes Verständnis für die Nöte von Stiftungen anstelle von Förmelei.

Wie schnell die Ereignisse derzeit aufeinander folgen, zeigt die Berichterstattung über die Träger sozialer Dienste: Wurde heute morgen wurde noch berichtet, dass eine Insolvenzwelle droht, soll diese nun am Nachmittag schon wieder abgewendet sein, da die Bundesregierung auch hier ihren Rettungsschirm spannen will. Bis September sollen die Hilfen befristet sein. Sie können aber ggf. bis zum Jahresende verlängert werden.

„Als gemeinnützige Träger haben wir keine Möglichkeiten, größere Rücklagen zu bilden“, wird der Vorstand für Sozialpolitik beim Deutschen Caritasverband zitiert. Da wundern wir uns etwas und lesen nach bei Buchna/Leichinger/Seeger/Brox, dem Standardwerk der Finanzverwaltung zu Fragen des Gemeinnützigkeitsrechts, dass Betriebsmittelrücklagen für Zeiträume von drei bis zwölf Monaten gebildet werden können. Vielleicht war aber eben auch schlicht kein Geld für solche Rücklagen vorhanden.

Eins scheint schon jetzt sicher: Es wird noch lange dauern, bis wir wieder aufatmen können und viele Fragen werden uns über den Tag und wohl auch über die kommenden Wochen, Monate und sogar das Jahr hinaus begleiten. Einige haben wir oben angesprochen. Viele werden wir bald hier und an anderer Stelle vertieft betrachten, z.B. in der nächsten Ausgabe des StiftungsBriefs.

Bleiben Sie Gesund und wohlgemut!