Unternehmensnachfolge mit einer Stiftung auch bei der Otto-Gruppe

Bisher war schon die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz bekannt. Als Inkubator für innovative Ideen entwickelt sie Strategien und fördert Projekte für zukunftsweisende Perspektiven im Umwelt- und Naturschutz. Mit ihrem Engagement in den Aktionsfeldern Förderung, Bildung und Dialog fordert sie den Umweltschutz.

Im April wurde durch Presseberichte (etwa Faz, 02.04.2015, S. 26; www.stern.de ) bekannt, dass der 71-Jährige Unternehmer Michael Otto seinen Anteilen an der Otto-Gruppe, d. h. seine Mehrheitsbeteiligung in eine neue, gemeinnützige Stiftung übertragen hat. Die betreffenden Anteile an dem Otto-Konzern sollen einen Wert von mehreren Milliarden Euro haben. Der Umsatz des Konzern mit ca. 54.000 Mitarbeitern soll einen Umsatz von etwa 12 Milliarden Euro haben. Die neue Stiftung soll kulturelle, soziale, ökologische und mildtätige Projekte fördern. Es soll insbesondere um die Unterstützung von Kindern und Jugendliche gehen. Für 2015 wird erwartet, dass Otto wegen schwacher Geschäftslage ggf. keine Gewinne erwirtschaftet. In guten Geschäftsjahren soll sich die Gewinnausschüttung an die Stiftung auf dreistellige Millionenbetrag belaufen.

Die neue Stiftung hat einen aus 5 Personen betsehenden Stiftungsrat. Ihm gehören drei Mitglieder der Familie Otto und zwei externen Experten an. Michael Otto hat den Vorsitz inne und ist außerdem weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender im Otto-Konzern.

Mit der Stiftungsgestaltung soll nach den Berichten auch sichergestellt werden, dass die Familie langfristig den Einfluss über den Otto-Konzern behält und die Mehrheit an dem Unternehmen nicht an fremde Investoren veräußert wird. Laut Satzung der Stiftung solle die Verlegung des Konzernsitzes ausgeschlossen sein, so dass er dauerhaft im Hamburg bleiben wird.

Die Entwicklung dieser neuen Stiftung, die sich in die Reihe anderer allseits bekannter Unternehmenstiftungen einfügt, wird die Stiftungsszene mit großem Interesse beobachten.

Eine Stiftungsgestaltung ist in der Tat der einzige nachhaltige Ansatz, der den Zusammenhalt eines Unternehmens über die dauer einer testamentsvollstreckung hinaus ermöglicht. Indessen ist eine solche Gestaltung anders als leider noch immer in vermeintlichen „Fachkreisen“ (Motto: Ein Lehrgang, ein Seminar oder ein Aufsatz macht noch keinen Experten!!) und auch in der unaufgeklärten Unternehmerwelt vermutet (erhofft?) keine einfache Standardlösung zur Regelung der Unternehmensnachfolge, wenn es in der Familie nicht passt oder wenn auch nur besonders langfristig gedacht wird (vgl. hier und hier). Nicht wirklich selten fehlt eine belastbare Stiftungsreife.